Landtagsbesuch der zehnten Klassen
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Nach der Schule auf den Bauernhof
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Zwischen Seele, Sorge und Sinn

Gutenbergschüler besuchen die Militärseelsorge im Verteidigungsministerium

 

Militärdekan Friedemann Schmidt begrüßte auf der Hardthöhe in Bonn Schülerinnen und Schüler des Religionskurses gemeinsam mit ihrem Lehrer Herrn Marb. Die Veranstaltung organisierte Kapitänleutnant Heller, der aus seinem Blickwinkel diese Thematik mit der Religionsgruppe in der Schule schon erörtert hatte. Eröffnet wurde die Veranstaltung in der Kirche des Militärgeländes mit einem gemeinsam gesungenem Lied: „Über sieben Brücken musst du gehen“. In einer ersten Einführung warb Pfarrer Schmidt für die verschiedenen Blickwinkel der Militärseelsorge. Die historische Entwicklung begann schon im Mittelalter. Bei Kriegen waren Pfarrer oder Priester ein Bestandteil der Armee. Heute ist die Bundeswehr eine Parlamentsarmee. Der Bundestag beschließt ihre Einsätze. Kontrolle und Transparenz sind elementare Aufgaben der Politiker. Besonders unter dem Aspekt, dass ein Soldat auch ein Bürger in Uniform ist und bleibt. Der Teamgedanke wird bei der Bundeswehr sehr geschätzt und gerade in  Auslandseinsätzen ist es buchstäblich, dass man über viele Brücken gehen muss. Dort sieht man besonders die „Brücken“ des Leides und Unrechtes in dieser Welt. Auch diese müssen begangen und verarbeitet werden.

Als Seelsorger hat Dekan Schmidt keinen Dienstgrad oder Schulterklappen. Die Militärseelsorge ist keine Frage der Konfession. Auch wenn es einen evangelischen bzw. auch einen katholischen Ansprechpartner gibt. Sie sind nicht für die Moral der Truppe, sondern für die Moral des Einzelnen da! So finden auch Soldaten ihren Weg zum Gespräch zu Seelsorgern die konfessionslos oder muslimischen bzw. jüdischen Glaubens sind.

Mit dem Grundsatz „Befiehl du deine Wege!“ ist neben der praktischen Lebenshilfe auch  eine kritische Begleitung notwendig. Das heißt in der Praxis, auf einen Befehl kann ich reagieren und wenn, dann muss ich dazu stehen. Die Verantwortung für sein eigenes Handeln kann nicht allein auf Vorgesetzte und deren Anweisung abgeschoben werden. Dies heißt für jeden Einzelnen, man kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen und bleibt für sein Handeln auch unmittelbar verantwortlich. Das „Prinzip der inneren Führung“ und Befehle hinterfragen zu können, sind besondere Elemente in der Bundeswehr. Wo keine Routine besteht, da muss man auch entscheiden. Die Bundeswehr ist daher Führen im Auftrag. Die ist auch ein christlicher Urgedanke so Dekan Schmidt.

Die Militärseelsorge selbst ist eine befehlsfreie Zone. Zirka 200 Pfarrer und Priester kommen dieser Aufgabe bei der Bundeswehr nach und sind an die Schweigepflicht gebunden. Neben lebenskundlichen Unterricht sind natürlich auch Tod und posttraumatische Störungen wichtige Arbeitsfelder der Seelsorger. Erinnerungen auslöschen so Schmidt, dass geht nicht. Aber man kann Dinge kanalisieren und wieder in geordnete Bahnen bringen.  

Im zweiten Abschnitt des Besuches wurde etliche Fragen der Jugendlichen mit in die Diskussion einbezogen. Dekan Schmidt zeichnete seinen Lebensweg und seine damalige Einstellung zur Bundeswehr als Kriegsdienstverweigerer. Er ist seit 11 Jahren nun in diesem spannenden und erfüllendem seelsorgerischen Auftrag dabei. Freude mit Menschen zu arbeiten, nicht lange Fragen sondern Tun, einen Chor im Lager eines  Auslandseinsatzes gründen, Fahren mit Familien der Soldaten in Urlaub – all das sind Beispiele von wertvollen Gelingens im Leben eines Militärseelsorgers. Es gibt keinen planbaren Alltag. Die Soldaten arbeiten für den Frieden und jeden Dienstag findet eine Gottesdienst auf der Hardthöhe statt. Ein sehr wichtiges und durchaus belastendes Element ist die Begleitung von Trauernden. Ein Abschied ist wichtig sowie Trost und Perspektive für die Hinterbliebenen. Alles im Leben hat zwei Seiten so Dekan Schmidt. Aber es gibt noch eine dritte Seite. Sie ist auf der 2 Euro Münze deutscher Prägung zu finden!